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Evangelische Kirche in Deutschland > EKHN > Propstei Rheinhessen > Dekanat Mainz > Ev. Kirchengemeinde Ober-Olm & Klein-Winternheim |
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Glossar unseres apostolischen Glaubensbekenntnisses Im Apostolischen Glaubensbekenntnis geht es nicht um eine Beschreibung oder Nacherzählung von Ereignissen, sondern darum, welche Rolle Gott, Jesus Christus und Heiliger Geist für Menschen in der Zeit bedeuten, in der sie gerade leben. Und es geht um das, was ich hier und jetzt von meinem Glauben sagen möchte. Das alte Bekenntnis leiht mir dafür Bilder und Symbole, die mehr ausdrücken wollen als unsere Alltagssprache sonst. Und weil der in Jahrhunderten gewachsene Glaube der Kirche mehr ist als ein einzelner Mensch fassen kann, bleibt für viele Menschen immer auch ein geheimnisvoller Rest, der sich nicht ganz deuten lässt. |
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1. Artikel: Was wir von Gott bekennen
Ich glaube an Gott, den Vater, Jesus hat Gott Vater genannt und damit ausgedrückt, dass Gott ihm sehr nahe war. Vielleicht hatte Jesus seinen Vater und seine Mutter als Eltern erlebt, die es ihm leicht gemacht haben, von Gott in dieser familiären Weise zu reden. Wer von Vater oder Mutter enttäuscht ist, wird sich damit wohl schwer tun. Wer sich auf Gott einlässt, kann aber auch entdecken: Gott ist mehr als leibliche Eltern sein können. Wer Gott Vater nennt (oder Mutter, wie viele Frauen das heute tun), erklärt damit die Menschen zu Geschwistern, die füreinander verantwortlich sind.
... den Allmächtigen, immer wieder wünschen Menschen, Gott möge vom Himmel herab fahren, das Böse ausrotten und Gerechtigkeit schaffen. Aber offensichtlich will Gott gerechte Zustände in der Welt nicht von oben herab bewirken, sondern mit seinen Geschöpfen - also von unten herauf. Dafür braucht es Menschen, die gemeinsame Sache mit Gott machen. Allmacht könnte dann heißen: Gott ist in allen Menschen mächtig, die das Gute wollen. Bis das gelingt, werden wir immer auch Gottes Ohnmacht sehen: Zeiten, Orte und Situationen, in denen Gott weit weg scheint und gar nicht machtvoll eingreift. Dennoch vertrauen Menschen darauf, dass Gott ihnen auch in solchen ohnmächtigen Erfahrungen nahe ist und sie Leid, Verzweiflung und Fragen aushalten lässt.
... den Schöpfer des Himmels und der Erden. Alle Lebensmöglichkeiten kommen von Gott. Nicht die Natur in ihrer Unberechenbarkeit bestimmt unser Leben, sondern Gottes gute Lebensordnung. Sie bildet sich auch in der Natur ab. Gott will die Schöpfung bewahrt und erhalten wissen. Wir Menschen sind dafür verantwortlich, sie nicht leichtfertig zu zerstören.
2. Artikel: Was wir von Jesus Christus bekennen
Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, „Eingeboren" ist eine alte Formulierung für „der einzig geborene" oder „der in die Welt hinein geborene". In dieser alten Wendung wird deutlich, dass Jesus in einer besonderen Beziehung zu Gott steht: Er ist der „Christus", d.h. der „Gesalbte". Damit wird Jesus eine Würde zugesprochen, die ihm von Gott selbst verliehen ist: Jesus Christus vertritt Gottes Herrschaft auf Erden. Deshalb geht es im Glaubensbekenntnis auch so weiter...
... unseren Herrn, Das meint: Was Jesus in seinem Reden und Tun von Gott deutlich gemacht hat, das nehme ich für mein Leben wichtig. Danach will ich mich in meinem Alltagsleben richten. Er und nicht andere „Herren" soll mein Leben bestimmen.
... empfangen durch den Heiligen Geist, Empfangen, d.h. aufgenommen (!) wird Jesus, dessen Name selbst schon ein Bekenntnis ist (Jesus bedeutet: Gott hilft), nur durch den Heiligen Geist, der wie Gottes Schöpfungskraft oder Lebensatem ist. Das gilt damals wie heute. Viele, die an Jesus Christus glauben, sagen, dass nicht sie selbst, sondern Gottes Geist diesen Glauben in ihnen bewirkt hat. Das ist wie eine Liebesbeziehung zwischen Gott und Mensch. So können alle, die an Gott glauben, ihn auch zur Welt bringen: ihn verkündigen und mit dem eigenen Leben bezeugen, seiner Botschaft Hand und Fuß verleihen, sie Mensch werden lassen. Nachfolge nennen wir das.
... geboren von der Jungfrau Maria, In der Antike war das ein weit verbreitetes Motiv, die Jungfrauengeburt. Damit brachten Menschen zum Ausdruck: Dieser Pharao, oder wer immer der Herrscher war, ist ein besonderer Mensch, ja ein Sohn Gottes. Auch die Hebräische Bibel, die wir das Alte Testament nennen, kennt dieses Motiv: Schon der Prophet Jesaja (Jes. 7,14) spricht davon, dass eine junge Frau einst den Messias zur Welt bringen wird. Und Maria, die Mutter Jesu, war vielleicht dreizehn oder vierzehn Jahre alt. So konnte dieses Motiv leicht auf Jesus übertragen werden, zumal Maria unehelich schwanger wurde. Im Alten Testament wird oft davon erzählt, dass allein Gott Leben gibt oder nimmt. Und eine Schwangerschaft wurde nicht nur als Folge einer Liebesbeziehung, sondern immer auch als Wunder, als Handeln Gottes erlebt. Auch Maria wurde durch dieses wunderbare Handeln Gottes vor Schimpf und Schande bewahrt. Und so besingt sie Gottes Macht wie eine Prophetin (Lukas 1,46-55).
... gelitten unter Pontius Pilatus, Die Erwähnung von Pontius Pilatus in den Evangelien ist wie eine Zeitangabe: Pilatus war von 26 bis 36 unserer Zeitrechnung Prokurator des römischen Kaisers in Jerusalem für die Provinz Judäa. Er verurteilte Jesus nach römischem Recht zur Kreuzigung. Historiker vermuten, dass Pilatus damit einem möglichen Volksaufstand gegen die Römer zuvorkommen wollte. Immerhin hielten sich zum Zeitpunkt der Gefangennahme Jesu Hunderttausend Menschen zum Passahfest in Jerusalem auf, zu viele für die römischen Besatzungstruppen.
... gekreuzigt, Die Römer verhängten bei politischem Widerstand die Todesstrafe, zumeist durch Kreuzigung. Die Verurteilten wurden ans Kreuz genagelt und dort hängen gelassen. Die Todesart war schmerzhaft und brutal und sollte abschrecken.
... gestorben und begraben, Alle vier Evangelien berichten über Jesu Sterben und Tod. Nach seinem Tod erbittet ein gewisser Joseph aus der jüdischen Stadt Arimathäa von Pilatus den Leichnam Jesu, um ihn in einer Grabkammer zu bestatten. So geschieht es dann.
... hinabgestiegen in das Reich des Todes, Zum antiken Weltbild gehörte die Vorstellung von einem Totenreich unter der Erde. Deshalb gaben z. B. die Ägypter ihren Toten Lebensmittel und Vorräte mit ins Grab, damit sie auf der Reise dorthin nicht hungern mussten. Diese Vorstellung von einem Totenreich begegnet uns auch im Glaubensbekenntnis. Sie besagt: Jesus ist wirklich bei den Toten angekommen. Er teilt auch ihr Schicksal.
... am dritten Tag wieder auferstanden von den Toten, Die Evangelien erzählen von der Auferstehung Jesu von den Toten nur indirekt: Die Frauen, die am Tag nach der Bestattung den Leichnam balsamieren wollen, finden das Grab leer. Die Jünger wollen ihnen nicht glauben und sahen selber nach. Wiederholt erscheint ihnen der Auferstandene. Als zwei von ihnen entmutigt und verzweifelt aus Jerusalem weglaufen, begegnet ihnen ein Unbekannter und erklärt ihnen, dass mit dem Leben Jesu das Gottesreich schon begonnen habe. Als sie dann gemeinsam am Tisch sitzen, der Unbekannte das Brot bricht und den Wein mit ihnen teilt, erkennen sie, dass in diesen Zeichen Jesus unter ihnen ist und in ihnen lebendig bleibt. Sie eilen nach Jerusalem zurück und erzählen das den anderen Jüngern.
... aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, Mit der Himmelfahrtsgeschichte nimmt Lukas noch einmal ein in der Antike allgemein bekanntes Motiv auf. Für die Zeitgenossen Jesu war das nichts Aufregendes. Pharaonen und Kaiser kehrten nach damaliger Auffassung mit ihrem Tod zu den Göttern zurück, von denen sie auf die Erde gekommen waren. Im Glaubensbekenntnis bekommt diese Vorstellung einen besonderen Akzent: Jesu „Weg" von der Erde in den Himmel „zur Rechten Gottes" verbindet das Leben auf der Erde mit dem Himmel als Bild für Gottes Herrschaftsbereich. Mit Jesu „Rückkehr" zu Gott beginnt zugleich seine Herrschaft durch den Heiligen Geist, der in den Menschen wirkt. So ist Jesus in den Menschen lebendig, die sich nach ihm richten wollen.
... von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Eines Tages, so die Hoffnung vieler, werden Gottes Liebe, Gerechtigkeit und Frieden sich durchsetzen und alle und alles durchdringen. An diesem „Tag des Gerichts" werden Menschen sich ändern, werden Machtverhältnisse beendet. Noch leidet die Menschheit unter Krieg und Gewalt. Doch Gott wird am „Tag des Herrn" die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Wer gelitten hat, wird aufgerichtet. Was nicht zu verantworten war, wird zurechtgerückt. Auch für die von Menschen geschundene Natur wird Gott Erlösung schaffen. Dann wird Gott bei den Menschen wohnen und umfassender Friede - Schalom - herrschen.
3. Artikel: Was wir vom Wirken des Heiligen Geistes bekennen
Ich glaube an den Heiligen Geist, Heilig wird Gottes Geist genannt. In der Schöpfungsgeschichte, in Erzählungen von Taufe, Sterben und Neuwerden erfahren wir, was damit gemeint ist: die Lebenskraft Gottes, die Weite schafft, in Bewegung setzt, neu belebt, ermutigt, verändert und eine direkte Beziehung zu Gott ermöglicht. Die Taufe ist ein Zeichen dafür, dass uns dieser Lebensatem von Gott selbst geschenkt ist als Kraft, die uns begleiten will. In ihr atmet Gott selbst in uns und wir können andere damit anstecken. Sie ist auch die Kraft, die uns mit Gott verbindet. Durch sie erkennen wir Gottes Wirken und Wille. Durch sie sind wir mit den anderen im Glauben verbunden.
... die heilige christliche Kirche, Die Kirche ist die Gemeinschaft derer, die im Glauben an Jesus Christus durch den Heiligen Geist verbunden sind. So ist Kirche gemeint. In ihr soll Gott selber Platz haben. In ihr soll Gottes Wort gehört und weiter gesagt und danach gehandelt werden. In Taufe und Abendmahl werden die Nähe zu Gott und die Gemeinschaft untereinander gefeiert. Die Einheit der einen christlichen Kirche ist Gottes Wille. Die Trennung der Kirchen ist Schuld der Menschen.
... Gemeinschaft der Heiligen, Gottes guter Geist heiligt die Menschen. In unserem Leben soll davon etwas deutlich werden: Gerechtigkeit und Frieden will Gott für die ganze Menschheit und die gesamte Schöpfung. Damit uns das nicht überfordert, sind wir als einzelne Menschen Teil einer Glaubensgemeinschaft.
... Vergebung der Sünden, Gott weiß, wie begrenzt und unvollkommen wir sind. Wir leben davon, dass uns immer wieder ein neuer Anfang ermöglicht wird und wir nicht auf unsere Schuld festgelegt werden. Das nennen wir Vergebung. Gott verdammt nicht und verurteilt nicht. Gott bringt zurecht, richtet aus und auf und erlaubt Würde trotz Schuld.
... Auferstehung der Toten Christen glauben, dass der leibliche Tod und andere Todesmächte nicht das letzte Wort behalten. „Auferstehung" ist die Übersetzung eines griechischen Wortes, das wörtlich übersetzt bedeutet: Aus der Erde heraus kommen, sich aufrichten, aufstehen. Es meint damit die Macht und Kraft, die uns hindert, uns dem Erdboden gleichzumachen oder ins Totenreich abdrängen zu lassen. Es meint auch die Macht und Kraft, die uns, wenn es doch geschieht, wieder aufrichtet und neu belebt. Das gilt mitten im Leben und auch im körperlichen Tod. Es galt zuerst Jesus Christus und es gilt allen Menschen vor ihm und nach ihm.
... und das ewige Leben. Wir erleben die Herrschaft des Todes im Privaten und weltweit. Ewiges Leben ist nicht die unendliche Dauer von etwas, das wir schon kennen und ständig erleben. Sondern ein Leben, in dem wir verbunden sind mit dem wirklichen Leben, das wir Gott nennen. In diesem wirklichen Leben wird es kein Sterben und keinen Tod mehr geben.
Quelle: Grundkurs KU; Arbeitsblätter zum Handbuch für Unterrichtende Rainer Starck u.a. Gütersloh 2004 |
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